Früh am Morgen (also um 9 Uhr 30) machen wir uns mit einem ruckeligen Uber auf den Weg ins Arbeiterviertel La Boca. Der Reiseführer wirbt mit bunten Häusern und dem „authentischen“ Leben in Buenos Aires. Was das heisst, erzählt uns Paola in einer 2-stündigen Tour durch La Boca, genannt nach den Flüssen, die hier zusammenfliessen und in den Rio de la Plata münden (Mund = La Boca).

La Boca reiht sich um den ursprünglichen Hafen Buenos Aires, in dem in früheren Jahrhunderten die Immigranten aus Europa ankamen und argentinische Waren verschifft wurden. Heute wird der Hafen nicht mehr genutzt und die vielen Lagehäuser um das Hafenbecken herum sind verlassen. Übrig geblieben sind aber viele der früheren Häuser, die aus vom Schiffbau übrig gebliebenen Wellblech und Holz zusammengezimmert wurden. In den späten 1920er kamen findige Einwohner auf die Idee, die eher zufällige Farbenvielfalt zu koordinieren und malten die Häuser neu an. Anstatt dem in Buenos Aires sonst viel vertretenen Art Deco wurden die Wände hier mit Szenen aus dem Alltag und sozialkritischen Themen bemalt. Maradonna neben dem Papst neben einer Gedenkwand an den Falklandkrieg neben einem Mahnmal für die in der Diktatur in den 70-80 er Jahren verschleppten jungen Menschen.





Neben diesem tatsächlich etwas authentischerem Buenos Aires lockt eine bunte Strasse mit gleich vielen Maradonna-Imitatoren wie „lass dein Portrait“-malen Ständen unzählige Touristen an. Die grösste Herausforderung für uns am Ende des Vormittags ist dann auch, in der Menschenmenge die richtige Bushaltestelle zu finden, von der uns ein Bus (Collectivo) wieder zurück in Richtung Hotel bringt.
Nach kurzer Pause von viel Kultur und Menschen brechen wir zu unserem letzten Programmpunkt auf: kein Besuch in Buenos Aires ohne einen Tango-Kurs! Tatsächlich ist Tango allgegenwärtig. In den unzähligen Bars im Stadtteil San Telmo wird Tango-Musik gespielt, auf Corrientes und umliegenden Strassen werden professionelle Tango-Showsn mit Dinner veranstaltet und auf unzähligen Plätzen demonstrieren tagsüber professionelle Tänzer ihre Tango-Künste. Spätabends übernehmen dann die Amauteure den Platz, und auch sonst ringelt sich in der U-Bahn gerne mal ein Tangopaar um die Haltestange.

Unser Kurs findet in einem mehr oder weniger originalem Tanzsaal mit Marmorsäulen und dunklem Parkettboden statt, auf dem unser Tanzlehrer elegant über den Parkettboden hinweg gleitet und unsere sehr viel ungelenkeren Schritte überschwänglich lobt. Die Stunde ist schnell um und reicht leider nicht aus, um unsere Tanzfertigkeiten genügend zu formen, damit wir auf der Plaza de Dorrega mit den anderen Tanzamateuren das Tanzbein schwingen.